Ernährung bei Diabetes

Diabeteskost hat nichts mit Hungerdiät zu tun. Die Ernährung des Diabetikers erfolgt je nach Art der Behandlung entweder über eine Gesamttageskalorienmenge oder über die Festlegung der Kohlenhydratmenge und ihre Verteilung auf die einzelnen Mahlzeiten.

Da jeder Diabetiker individuell beraten werden muß, wie seine Ernährung verbunden mit persönlichen Vorlieben aussehen sollte, haben wir hier nur einige erklärungsbedürftige Begriffe und allgemeingültige Ratschläge zusammengefaßt.

Broteinheiten (BE) oder Kohlenhydrateinheiten (KHE):
Diese Einheiten beziehen sich auf den verwertbaren Kohlenhydratanteil in der Nahrung. Sie sind für Diabetiker, die mit Insulin oder Tabletten vom Typ des Sulfonylharnstoff behandelt werden von Bedeutung. Es gilt 1 BE = 12 g Kohlenhydrat ; 1KHE = 10 g Kohlenhydrat.
6 kleinere Mahlzeiten am Tag sind günstiger als 2-3 große.
Bei der Aufteilung der Kalorien sollen
  • die Kohlenhydrate (mit rund 4 kcal pro Gramm) etwa 50-55 Prozent,
  • Eiweiß (mit rund 4 kcal pro Gramm) etwa 10-15 Prozent und
  • Fett (mit 9 kcal pro Gramm) etwa 30-35 Prozent Ihres Tagesbedarfs decken.
Auch wenn Sie abnehmen müssen, bleiben Sie bei 6 Mahlzeiten am Tag, allerdings bei reduzierter Kalorienzahl.
Obwohl der Energiegehalt der Kohlenhydrate mit 4 kcal / Gramm identisch ist, wirken sich die Kohlenhydrate unterschiedlich auf den Blutzuckerspiegel aus. So hängt der Blutzuckeranstieg davon ab, wie schnell ein Kohlenhydrat in das Blut gelangt.
  • Einfachzucker wie Fruchtzucker, Galaktose und Traubenzucker gelangen sehr schnell ins Blut und führen schnell zu einem Blutzuckeranstieg.
  • Zweifachzucker wie Haushalts- oder Rohrzucker werden rasch gespalten und führen ebenfalls relativ schnell zu einem Blutzuckeranstieg
  • Mehrfachzucker wie Stärke (in Kartoffeln, Reis und Brot ) erfordern wegen der Aufspaltung längere Zeit, um einem Blutzuckeranstieg zu bewirken.
  • Zellulose, ein Bestandteil der Pflanzenfasern, besteht aus Traubenzucker, wird aber nicht gespalten und wirkt sich infolgedessen nicht auf den Blutzuckerspiegel aus. Zellulose zählt zu den Ballaststoffen. Ballaststoffe in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten bewirken zudem, dass Fett aus der Nahrung nicht so schnell ins Blut gelangt, was wiederum den Blutzuckeranstieg verzögert.
  • Auch Zuckeraustauschstoffe haben Kalorien: Fruchtzucker 4 kcal / Gramm, Sorbit 2,4 kcal / Gramm und stellen somit keinen Vorteil dar, wenn es um eine kalorienarme Ernährung geht. Lediglich Süßstoffe wie Aspartam und Saccharin/ Cyclamat haben keine Kalorien.
Fett ist ein lebenswichtiger Bestandteil unserer Ernährung, aber auch leider mit 9 kcal/Gramm der kalorienreichste, weswegen damit sparsam umgegangen werden sollte. Wegen des höheren Anteils an ungesättigten Fettsäuren sollten pflanzliche Fette den tierischen vorgezogen werden.
Der erwachsene Körper benötigt relativ wenig Eiweiß, nämlich nur 15-20%. Es ist ein Irrtum, wenn man meint, als Diabetiker viel Fleisch verzehren zu müssen, um Kohlenhydrate zu sparen, damit der Blutzucker nicht ansteigt. Die Hauptenergiequelle des Körpers ist nun einmal Traubenzucker. Steht davon zu wenig zur Verfügung, synthetisiert die Leber ihn selbst und greift dabei auf Eiweiß als Ausgangsstoff zurück. Darüber hinaus bedeutet zuviel Eiweiß in der Regel auch zuviel Fett.
Ihre Ernährung sollte sich überwiegend aus schwerspaltbaren Kohlenhydraten zusammensetzen auf Kosten von Fett, Eiweiß und Zucker.

Für normalgewichtige Menschen könnte der Speiseplan wie folgt aussehen, die Mengenangaben sind bei übergewichtigen Patienten entsprechend der Kalorienvorgaben zu reduzieren.

Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln
  • tgl. 5-7 Scheiben Brot (ca. 250-350 g) und
  • 1 Portion Reis oder Nudeln (roh ca. 75 - 90 g, gekocht 220-270 g) oder Kartoffeln(ca. 250-270 g)
Gemüse und Hülsenfrüchte
  • tgl. 1 Portion Gemüse gegart (ca 200 g)
  • 1 Portion Gemüse roh (ca. 100 g) und
  • 1 Portion Salat (ca. 250-300 g)
Obst
  • mindestens 2 Stück oder 2 Portionen tgl. (ca. 250-300g)
Getränke
  • mindestens tgl. 1,5 Liter Flüssigkeit (z.B. Mineralwasser, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, in Maßen Kaffee und schwarzer Tee)
Milch- und Milchprodukte
  • tgl. 2-3 Portionen (z.B. ¼ l fettarme Milch und drei Scheiben Käse)
Fisch, Fleisch und Eier
wöchentlich
  • 2 Portionen Seefisch (je 150 g)
  • höchstens 2-3 mal Fleisch (max. 150 g)
  • höchstens 2-3 mal Wurst (max. 50 g) und
  • höchstens 3 Eier
Fette und Öle
  • höchstens 40 g Streich- und Kochfette tgl.
Süßigkeiten
  • höchstens 1 kleine Portion tgl. (z.B. ein Riegel Schokolade oder ein schmales Stück Kuchen)
Neben der richtigen Ernährung gehört zu einer guten Blutzuckereinstellung die Selbstkontrolle.




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