Wie wirken eigentlich?
ACE-Hemmer: Sie senken den Blutdruck
Das Gift der brasilianischen Lanzenviper war das Vorbild, um eine Gruppe sehr effektiver Blutdrucksenker herzustellen.
Wenn die brasilianische Lanzenviper zubeißt, ist eine langwierige
Entzündung die Folge.
Die Bissstelle schwillt an und ist tagelang stark gerötet. Aus dem Gift ein Arzneimittel zu
entwickeln war auf den ersten Blick eine kühne Idee. Doch fünf Jahre später konnte
der Pharmahersteller Squibb einen Erfolg vermelden:
Das Schlangengift hatte die Vorlage geliefert für einen neuen synthetischen
Blutdrucksenker mit Namen Captopril. Andere Firmen brachten später chemisch ähnliche Wirkstoffe auf den Markt.
Experten fassen all diese Substanzen unter dem Sammelbegriff
ACE-Hemmer zusammen. Auch der Laie kann erkennen, ob es sich bei einem Medikament um einen ACE-Hemmer
handelt: Der Wirkstoffname endet immer auf -pril.
ACE-Hemmern gehören heute zu den am besten verträglichen
Blutdrucksenkern.
ACE-Hemmer bremsen ein Enzym, das im Körper für die Bildung des blutdrucksteigernden Hormons
Angiotensin II verantwortlich ist . Dieses Enzym heißt
Angiotensin -Conversions -Enzym
(Conversion = Umwandlung) oder kurz ACE. Ein Zuviel an Angiotensin II fördert sowohl die
Entstehung des Bluthochdrucks als auch die Entstehung einer Herzschwäche. Dies
geschieht am Herzmuskel in erster Linie durch strukturelle Umbauprozesse wie die Verdickung des Herz-
muskels, die Umwandlung von Herzmuskel in Bindegewebe und die Abschwächung der Herzkraft.
ACE-Hemmer haben auch gute
"Nebenwirkungen".
Neuere Forschungen zeigen: Angiotensin II erhöht nicht nur kurzfristig den Blutdruck. Es lässt auch die Wände der
Blutgefässe dicker werden und begünstigt Ablagerungen in den Gefäßwänden. Damit ist es maßgeblich an der
Entstehung einer Herzinsuffizienz beteiligt und spielt eine Rolle
bei der Entstehung von diabetischen Nierenschäden. ACE-Hemmer wirken den genannten schädlichen
Wirkungen des
Gefäßhormons Angiotensin II entgegen.
Das zeigen nicht nur Experimente, die Schutzwirkung auf die verschiedenen Organe lässt sich auch durch
Studien belegen:
Herzinsuffizienz:
Mehrere Studien zeigen, dass ACE- Hemmer das Fortschreiten einer Herzschwäche
verhindern können und außerdem das Risiko für ein Pumpversagen des Herzens deutlich senken.
Durchblutungsstörungen des Herzens:
Der ACE- Hemmer Quinapril verbessert die Funktion der Gefäßwand, wenn sie durch Ablagerungen, so genannte arteriosklerotische Plaques, gestört ist. Besonders
ausgeprägt zeigte sich der Effekt in der amerikanischen TREND-Studie bei Patienten mit erhöhten
Cholesterinwerten.
Diabetische Nierenschäden: Ein langjähriger
Diabetes kann auch die Nieren schädigen. Dieser Spätfolge wirken ACE-Hemmer
entgegen. In einer kanadischen Studie zeigte sich, dass der ACE-Hemmer Captopril die Zahl der
Todesfälle der be handelten Patientengruppe
im Vergleich zu der mit einem Scheinmedikament (Placebo) behandelten Gruppe halbiert hat.
Außerdem mussten sich deutlich weniger nierenkranke Diabetiker einer Blutwäsche oder einer
Nierentransplantation unterziehen.
Inzwischen gibt es in Deutschland etwa zwanzig verschiedene ACE-Hemmer.
Obwohl sie alle den gleichen Wirkmechanismus haben, wirken sie dennoch leicht unterschiedlich: Sie
unterscheiden sich in ihrer Wirkdauer, und sie reichern sich zum Teil unterschiedlich stark in den verschiedenen Geweben an.
Deshalb muss der Arzt entscheiden, welcher ACE-Hemmer am besten zu seinem Patienten passt.
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Gehemmt und ungehemmt: Die Leber bildet den Eiweißkörper Angiotensinogen. Das Enzym Renin aus der Niere wandelt es zu Angiotensin I um. Daraus entsteht Angiotensin II, das die Gefäße verengt und den Blutdruck erhöht (links). ACE-Hemmer verhindern den Umwandlungsprozess und senken so den Blutdruck (rechts)
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