Wie wirken eigentlich?
Als vor mehr als 30 Jahren
der erste Betablocker entwickelt wurde, hatten die Forscher nur einen neuen
Blutdrucksenker im Auge, der besser verträglich sein sollte als der damals gängige Wirkstoff
Reserpin.
Ihr Ziel waren Substanzen, die der blutdrucksteigernden Wirkung der
Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin entgegenwirken. Als Erste wurden
Chemiker der Firma ICI fündig. Der Wirkstoff Propranolol hat eine ähnliche
chemische Struktur wie die Stresshormone. Und darauf beruht auch seine Wirkung:
Propranolol blockiert die Eiweißmoleküle, die die Stresshormone binden
(Beta-Rezeptoren, siehe auch Grafik). Haben die Beta-Rezeptoren Propranolol
gebunden, sind sie besetzt und können nun mehr keine Stresshormone binden. Die
Hormone können ihre Wirkung nicht entfalten.
Andere Firmen entwickelten in den Jahren darauf über 20 weitere Substanzen, die
ebenfalls die Beta-Rezeptoren blockieren und deshalb kurz Betablocker genannt
wurden.
Ihre therapeutische Wirkung entfalten Betablocker direkt am Herzen, aber auch an
den Gefäßen. Sie senken die Schlagfrequenz des Herzens und seine
Kontraktionskraft. Dadurch sinken der Blutdruck und der Sauerstoffbedarf des
Herzens. Deshalb verordnet der Arzt Betablocker sowohl bei Bluthochdruck als
auch bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels.
Weil
Betablocker das Herz schonen, senken sie bei Herzinfarktpatienten das Risiko für
einen zweiten Infarkt.
Bindungsstellen
für die Stresshormone gibt es aber nicht nur am Herzen, sondern auch an der
Lunge und anderen Organen.
Doch die Blockade der Beta-Rezeptoren an der Lunge kann bei empfindlichen
Menschen die Bronchien so verengen, so dass Asthmaanfälle möglich sind.
Deshalb sind Betablocker für Asthmatiker ungeeignet. Wer auf Betablocker
mit Atembeschwerden reagiert, sollte das seinem Arzt sagen, damit er einen
anderen Blutdrucksenker verordnen kann.
Komplikationen
können auch bei Diabetikern auftreten, wenn Betablocker
in einigen Fällen den Kohlenhydratstoffwechsel durcheinander bringen. Forscher
arbeiten an Betablockern ohne diese Nebenwirkungen.
Die
meisten Patienten vertragen Betablocker gut.
Nebenwirkungen
wie Schwindel und Benommenheit sind in der Regel weniger ausgeprägt als bei vielen anderen
Blutdrucksenkern
und vergehen oft im Lauf der
Therapie
Wer
Betablocker allerdings nicht verträgt, sollte sie auf keinen Fall nach längerer
Therapie abrupt absetzen.
Denn wenn Adrenalin und Noradrenalin wieder ungehindert wirken können, droht
Herz und Gefäßen Gefahr.
Deshalb darf der Patient die Betablocker-Dosis nur unter ärztlicher Kontrolle
reduzieren.
So wirken Betablocker am Herzen:
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Werden
Stresshormone (grün) ausgeschüttet, docken sie an die Betarezeptoren (blau) an. In Verbindung mit den Eiweißmolekülen setzen sie Stresswirkung frei: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt. |
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Betablocker (weiß)
verhindern, dass die Stresshormone an den Betarezeptoren andocken können, weil sie selbst die Bindungsstellen besetzen. Die Stresshormone können nicht wirken, Blutdruck und Sauerstoffbedarf des Herzens sinken. |
Wo werden Betablocker noch eingesetzt werden
| Grüner Star: | Augentropfen mit Betablockern, senken den Augeninnendruck. Wie sie das machen, ist nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich verringern sie die Bildung von Kammerwasser. |
| Migräne-Vorbeugung: | Manche Betablocker,
z.B. Metoprolol verschreiben Ärzte, um Migräneattacken vorzubeugen, wenn die Akutbehandlung nicht ausreichend effektiv ist. |
| Schilddrüsenüberfunktion: |
In diesem Fall
schwächen Betablocker Wirkung von zu viel Schilddrüsenhormonen
auf den Kreislauf ab. |
| Herzinsuffizienz: | Auch bei der Therapie der Herzmuskelschwäche wirken
Betablocker. |
| Doping: | In einigen Sportarten, bei denen Konzentration und innere Ruhe eine
Rolle spielen, stehen Betablocker auf der Verbotsliste z.B. Schießen, Golf, Bob,
Curling, Fechten, Flugsport, Motorsport, Pferdesport,
Skispringen, Ski alpin. |